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25. April 2006 // Context 08/06
Konsum in Osteuropa: Von der Existenzsicherung zum Lifestyle - Vielschichtige Ernährungstrends
Das Ende kommunistisch geprägter Gesellschaftsstrukturen hat in Osteuropäischen Staaten zu zahlreichen Umbrüchen in Gesellschaft und Wirtschaft geführt, die je nach Region sehr unterschiedlich ausfallen. Postsozialistische Beschäftigungsverhältnisse verlangen von den Arbeitnehmern zunehmende Mobilität und Flexibilität. Zudem sinken die Geburtenraten vor allem in städtischen Regionen und in Bevölkerungskreisen mit höherem Bildungsgrad. Diese umwälzenden Veränderungen in Arbeitsalltag und familiären Strukturen im Osten und Südosten Europas folgen damit ähnlichen Mustern wie in Westeuropa."... Wie diese Entwicklungen das Ernährungsverhalten in Ost- und Südosteuropa beeinflussen und welche zukünftigen Food-Trends sich dort abzeihnen, hat jetzt das Heidelberger Institut GIM argo untersucht. Dafür wurden unter Leitung von Geschäftsführerin Dr. Kerstin Ullrich in einer teils telefonisch, teils schriftlich durchgeführetn Umfrage qualitative Forscher aus osteuropäischen Instituten mit ausgewiesener Kenntnis des Ernährungsmarktes interviewt. Die wichtigsten Ergebnisse hat die Politikwissenschaftlerin und Soziologin Ullrich dieser Tage anlässlich der Fachkonferenz der Wirtschaftskammer in Österreich präsentiert."
Einige Auszüge aus den Ergebnissen:
1. "Weil die Geburtenraten in den meisten osteuropäischen Ländern rückläufig sind, hat hier wie auch im Westen Europas ein Überalterungsprozess eingesetzt. Aber: Anders als die meisten westeuropäischen Rentner sind osteuropäische Ruheständler überwiegend nicht in der Lage, ihre steigenden GEsundheits- und Ernährungsbedürfnisse mit oft kostspieligen Best-Ager-Produkten zu befriedigen."
2. "Gleichzeitig wächst vor allem in städtischen Gebieten eine Generation junger, karriereorientierter Konsumenten heran, die ein Single-Dasein oder kinderlose Partnerschaften bzw. Ein-Kind-Familien dem traditionellen Großfamilienmodell vorziehen. ... In diesen Bevölkerungskreisen besteht durchaus Nachfrage nach schnell zubereiteten und beliebig dosierbaren Convenience-Produkten sowie nach Fast Food."
3. "Neue Trends werden in traditionell eher westlich orientierten Nationen wie Polen, Tschechien und Ungarn rascher adaptiert als in Ländern mit stärker sozialistischer Prägung wie Bulgarien oder Rumänien."
4. "Gesunde und ausgewogene Ernährung ist auch in Osteuropa eine Frage der Bildung: Je höher der Bildungsgrad, desto umfassender ist in der Regel das Wissen um körperliche Bedürfnisse sowie Inhaltsstoffe und Nährwerte einzelner Lebensmittel. ... Vor allem ältere Bweohner ländlicher Regionen ... sehen Übergewicht nach wie vor als Ausdruck von Wohlstand an."
5. "Was im Osten und Südoasten Europas wohl vorerst noch Zukunftsmusik bleiben wird: Essen als Mittel zur Selbstinszenierung, wie es in wohlhabenden westlichen Kreisen gang und gäbe ist. ... Stattdessen haben Nahrungsmittel hier nach wie vor hauptsächlich die Funktion der Existenzsicherung."
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